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Karl Simrock: Rheinsagen |
Im
Laufe des 19. Jahrhunderts erwirbt die Landschaft des Siebengebirges das
Prädikat "sagenhaft". Ähnlich wie an anderen Orten der neuentdeckten
Reiselandschaft am "Romantischen Rhein" liegt ein wesentlicher Grund hierfür
in dem Bemühen von sprach- und volkskundlichen Forschern, mündliche
Überlieferungen aufzuzeichnen und einem breiteren Publikum zugänglich
zu machen. Daneben macht sich aber auch das Phänomen bemerkbar, dass populäre Orte Legenden geradezu magisch anziehen. Manche bis dahin vielerorts überlieferte Wanderlegenden oder ohne genaue Lokalisierung überlieferte Sagenstoffe werden mit bekannten Plätzen neu verknüpft. Markantes Beispiel im Falle des Siebengebirges ist eine der zentralen Episoden aus dem Umfeld des Nibelungenliedes: In Reisebeschreibungen des frühen 19. Jahrhunderts werden erstmals Überlegungen greifbar, wonach der Schauplatz der Legende von "Siegfrieds Kampf mit dem Drachen" am Drachenfels vermutet wird. Trotz des rein spekulativen Charakters derartiger Gedankenspiele werden sie letztendlich Teil volkstümlicher Überlieferung und touristischer Vermarktung. Nachfolgend einige Beispiele populärer Sagen aus dem Siebengebirge. |
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Tipp - ein neues Angebot: Information: www.rheinischersagenweg.de
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Die sieben Riesen |
Die Entstehung
des Siebengebirges
In uralter Zeit lag oberhalb
Königswinter ein großer See, der zur Zeit der Schneeschmelze
oft Schaden anrichtete. Die Uferbewohner aus der Eifel und vom Westerwald
fassten daher den Plan, ihn abzuleiten. Da dieses Werk aber Menschenkraft
überstieg, wandten sie sich an die Riesen, denen sie hohen Lohn versprachen.
Sieben von ihnen kamen. Sie trugen gewaltige Schaufeln auf den Schultern
und machten sich alsbald an die Arbeit. Nach ein paar Tagen hatten sie
schon eine tiefere Scharte in das Gebirge gegraben. In die Vertiefung drang
das Wasser und vollendete das Werk der Riesen. August Antz,
1961
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Ritter Roland in Trauer |
Die Rolandsage
Eine junge Gräfin,
ein edler Held,
In Spanien stritt die
fränkische Kraft,
„Nun Ade dir, Welt! dein
süßer Gewinn
Das Kloster beschaut sich
mitten im Rhein;
Nein Roland selbst, er
leibt und lebt:
„Und begräbt das
Kloster Schön Hildegund,
Im Kloster betete Hildegund;
Karl Simrock,
1837
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Drache und Jungfrau |
Der
Drache am Drachenfels
In alten Zeiten, als an
den Ufern des Rheins noch Heiden wohnten, hauste im Siebengebirge ein furchtbarer
Drache, dem man tagtäglich Menschenopfer darbrachte. Meist waren es
arme Kriegsgefangene, die ihm vorgeworfen wurden. Unweit der Höhle
band man sie fest an einen Baum, unter dem ein Altar aufgemauert war. Zur
Zeit der Abenddämmerung kam das Ungeheuer hervor und verschlang gierig
die Opfer. August Antz,
1961
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Der Mönch von Heisterbach |
Der Mönch
zu Heisterbach
Ein junger Mönch
im Kloster Heisterbach
Er liest, was Petrus der
Apostel sprach:
Und er verliert sich zweifelnd
in den Wald:
Im Lauf erreichet er den
Garten schnell;
Nach seinem Stuhle eilend
tritt er ein,
Der Staunende wird angestaunt
ringsum,
Der letzte dieses Namens
tönt es laut,
Er nennet nun den Abt
und nennt das Jahr;
Der Schrecken lähmt
ihn, plötzlich graut sein Haar,
„Was Er verhüllt,
macht nur ein Wunder klar,
Wolfgang Müller
von Königswinter, nach 1837
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| Literaturhinweise | Antz,
August: Rheinlandsagen für Jugend und Volk. Bonn 1961.
Fischer, Helmut: Sagen des Westerwaldes. Montabaur 1987. Simrock, Karl: Rheinsagen
aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter, für Schule, Haus und
Wanderschaft. Bonn 1837. |